Über die Wehrpflicht sollte an diesem Abend diskutiert werden. Doch schon nach kurzer Zeit führte das Gespräch zu den großen Fragen: Wie kann Frieden gesichert werden? Welche Verantwortung darf eine Demokratie von ihren Bürgern verlangen? Und welche Bedeutung haben Militär, Pazifismus, Religion und das persönliche Gewissen?
Im Rahmen von „Pilgern für die Demokratie“ kamen am 10. September die Q1, rund 30 FSJler und weitere Gäste in der Arche des Evangelischen Gymnasiums Siegen-Weidenau zusammen. Auf dem Podium diskutierten Hauptmann Martin Rumsch, Jugendoffizier für Siegen-Wittgenstein, Mark Philip Stadler von der Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft sowie Kerstin Grünert, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Siegen-Wittgenstein.
Ein freier Stuhl auf der Bühne lud die Schüler dazu ein, sich mit eigenen Fragen und Positionen am Gespräch zu beteiligen.
Überraschend war, wie häufig die Diskutanten in ihren grundlegenden Zielen übereinstimmten. Kerstin Grünert sah keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen dem christlichen Glauben und einem freiwilligen Wehrdienst. Martin Rumsch formulierte zugespitzt, in der Bundeswehr seien „die meisten Pazifisten“. Mark Philip Stadler betonte, dass es politische und gesellschaftliche Alternativen brauche, um einen echten und dauerhaften Frieden zu erreichen.
Besonders am Beispiel des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wurde deutlich, wie schwierig einfache Antworten sind. Kann militärische Abschreckung Frieden schützen? Wann droht sie, eine Eskalation zu verstärken? Welche Möglichkeiten bleiben, wenn Diplomatie einen Angreifer nicht aufhält? Und was darf der Staat von jungen Menschen verlangen?
Bei allen Unterschieden in diesen Fragen blieb ein gemeinsames Ziel erkennbar: Alle wollen Frieden. Uneinigkeit besteht wenn überhaupt über die Wege dorthin.
In der Abschlussrunde sollten die Gäste ein Argument eines Mitdiskutanten nennen, über das sie vor dem Einschlafen noch einmal nachdenken würden. Alle drei beschrieben den Perspektivwechsel als anregend. Besonders würdigten sie, dass sich die Schüler der Q1 an einem Abend bewusst Zeit für politische Meinungsbildung genommen hatten und mitdiskutieren.
Der Abend zeigte damit, worum es beim Pilgern für die Demokratie geht: unterschiedliche Überzeugungen auszuhalten, einander zuzuhören und gemeinsam nach verantwortbaren Wegen zu suchen.
Dank für Organisation an: Beate Brinkmann, Thomas Süßenbach, Samuel Wittenburg, Nadine Henninger, Nadja Spork-Ierardi, Aaron Krause








