Was macht ein glückliches Leben aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich der MuW-Kurs der Jahrgangsstufe 10 unter der Leitung von Carina Judt in der Unterrichtsreihe „Glück und gelingendes Leben“. Zum Abschluss erhielten die Schüler Besuch von Ronja Müller-Späth, die wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Psychologie mit praktischen Impulsen für den Alltag verband.
Ronja Müller-Späth ist Psychologin, Dozentin an einer Universität und Psychotherapeutin in Ausbildung. In ihrer Arbeit verbindet sie wissenschaftliche Forschung, universitäre Lehre und psychotherapeutische Praxis. Ihr interaktiver Vortrag knüpfte unmittelbar an die philosophischen Positionen an, mit denen sich der Kurs zuvor auseinandergesetzt hatte.
Dabei waren sehr unterschiedliche Vorstellungen von Glück deutlich geworden: Aristoteles sah ein gelingendes Leben vor allem im tugendhaften Handeln, Aristipp rückte Genuss und Lust in den Mittelpunkt, während Epiktet Gelassenheit und innere Freiheit betonte. Sigmund Freud vertrat dagegen die Auffassung, dass dauerhaftes Glück für den Menschen kaum erreichbar sei.
Diesen Positionen stellte Ronja Müller-Späth die Erkenntnisse der Positiven Psychologie gegenüber. Dieser Forschungsbereich untersucht, welche Faktoren Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und psychische Gesundheit fördern. Dabei wurde deutlich: Menschen können ihr Glücksempfinden zwar nicht vollständig kontrollieren, durch bewusste Denk- und Verhaltensweisen jedoch positiv beeinflussen.
Die Schüler wurden durch Reflexionsfragen und praktische Übungen aktiv in den Vortrag einbezogen. Eine Achtsamkeitsübung zeigte, wie negative Gedankenspiralen unterbrochen und die Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment gelenkt werden kann. Bei der sogenannten „Glücksbohnen“-Übung ging es darum, kleine positive Erlebnisse im Alltag bewusster wahrzunehmen und festzuhalten.
Beide Übungen beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden auch in Beratung und Therapie eingesetzt. Besonders hervorgehoben wurde, dass nicht nur außergewöhnliche Ereignisse zu Zufriedenheit beitragen. Häufig sind es gerade die kleinen positiven Erfahrungen des Alltags, die das persönliche Wohlbefinden langfristig stärken können.
Der Vortrag regte die Schüler dazu an, ihre eigenen Vorstellungen von Glück zu reflektieren und die philosophischen Ansätze aus dem Unterricht mit aktuellen Erkenntnissen der Psychologie zu vergleichen. Damit bildete er einen gelungenen Abschluss der Unterrichtsreihe und zeigte zugleich, dass die Frage nach dem guten Leben nicht nur philosophisch interessant, sondern auch für den eigenen Alltag von großer Bedeutung ist.



