Auf TikTok wurde ein Account erstellt, auf dem Bilder von Lehrern unserer Schule veröffentlicht und teilweise mit diffamierenden Beschreibungen versehen wurden. Die Bilder wurden der Schulhomepage entnommen. Damit wurden Grenzen überschritten: Es geht um Urheberrecht, um Persönlichkeitsrechte und um das Recht am eigenen Bild.
Besonders problematisch ist nicht nur, dass ein solcher Account existierte. Problematisch ist auch, dass ihm rund 850 Nutzer folgten, darunter viele Schüler. Damit wird aus einem anonymen Account kein harmloser Scherz, sondern ein öffentlicher Raum, in dem Menschen bloßgestellt werden.
Die Frage lautet deshalb: Wollen wir wirklich eine Schule ohne Gesicht?
Denn genau das wäre eine mögliche Konsequenz, wenn der Missbrauch von Bildern, Namen und persönlichen Informationen überhandnimmt. Dann müssten Schulen ihre Homepages entpersonalisierten. Keine Bilder von Lehrern. Keine persönlichen Einblicke. Keine Gesichter, die zeigen, wer diese Schule prägt. Zurück bliebe eine anonyme Institution, sauber abgesichert, aber deutlich weniger menschlich. Wir wollen das nicht.
Schule lebt von Beziehung. Von Vertrauen. Von Menschen, die Verantwortung übernehmen und mit ihrem Gesicht für diese Schule, ihre Werte und ihre Gemeinschaft einstehen. Unsere Lehrer tun genau das: Sie zeigen sich, weil Schule persönlich ist und persönlich bleiben soll.
Deshalb ist dieser Vorfall mehr als ein einzelnes Fehlverhalten im Netz. Er ist ein Anlass, über Respekt, Verantwortung und digitale Öffentlichkeit zu sprechen. Wer Inhalte teilt, liked oder einem solchen Account folgt, trägt mit dazu bei, dass Grenzen verschoben werden. Auch dann, wenn es „nur lustig gemeint“ war.
Wir stehen mit unserem Gesicht zu dieser Schule.
Das erwarten wir auch von unseren Schülern. Übernehmt Verantwortung für das, was ihr online tut. Steht zu euren Worten. Versteckt euch nicht hinter anonymen Social-Media-Accounts. Denn eine Schule ohne Gesicht will am Ende niemand.

